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Mailabsender gesucht!

(Erledigt) Vor kurzem erhielten wir eine Mail von einem Nutzer, der interessante Vorschläge zur Farbgestaltung der Tabelle in der Werkbesprechung Toccata und Fuge d-moll (“dorische”) / BWV 538 unterbreitete. Doch leider stimmte die angegebene Mailadresse des Absenders nicht, so dass bislang keine Kontaktaufnahme möglich war. Der betreffende Nutzer mit den Initialien F. S. möge sich daher bitte noch einmal mit der korrekten Mailadresse an uns wenden. Vielen Dank!

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Entstehungszeit: Weimar (?)

Bachs weihnachtliche Hirtenmusik für Orgel, eine suitenartige Gruppe aus vier Einzelsätzen, orientiert sich stilistisch so intensiv an den Vorbildern aus Italien (dem Herkunftsland des Genres), daß teilweise Zweifel an der Autorschaft Bachs laut wurden. Doch ist es ja gerade das Wesen des Genrehaften, daß es der klischierten Norm viel, dem kreativen Eigenbeitrag weniger Raum zugesteht. Gefragt ist die Kopie, die Dublette. Ein Vergleich unter den zahllosen weihnachtlichen Instrumentalpastorali des 18. Jahrhunderts zeigt, wie sehr sich auch die Stücke sonst durchaus eigenständig ausgeprägter Komponisten ähneln (das hier Gesagte bezieht sich nur auf den 1. und 3. Satz der Pastorella Bachs).

Die weihnachtlich-pastorale Schreibart greift Melodien und Musizierstil von Hirten auf, wie sie damals zur Weihnachtszeit vom Lande her nach Rom hineinzogen, um vor den Krippen in den Kirchen mit Pfeifen, Schalmeien und Dudelsack dem neugeborenen Christuskind zu Ehren aufzuspielen. Charakteristisch für ihre Musik waren wiegender, sizilianohafter Dreierrhythmus, lang ausgehaltene Borduntöne (Orgelpunkte) und weiche, in parallelen Terzen begleitete Melodik. Die Kunstmusik entfaltete und entwickelte diese Elemente, je nach Besetzung, in besonderer Weise. Für die Orgel sind die Pastoralstücke von Domenico Zipoli (1688-1726) typisch. Speziell an ihre Art knüpft der

1.Satz der Bachschen Pastorella an. Er steht im typischen 12/8-Takt und in F-Dur (neben G-Dur “die” Pastoraltonart). Über lang ausgehaltenen Orgelpunkten spinnt Bach locker-imitatorisch die einschlägige Melodik und Rhythmik des Genres aus. Auffällig ist der über lange Strecken hin (auch im Harmonischen) betont schlichte, ja fast simple Gang der Dinge , der dann plötzlich – genau wie bei Zipoli – von überraschenden Ausweichungen (as in Takt 8!) und chromatischen Eintrübungen (Takte 28/29) unterbrochen wird. Nur sinnvoll, derartiges in die weihnachtliche Scheinidylle einzustreuen, - ihr wird ja Jesu Passion folgen! Bach läßt das Stück nicht in F-Dur schließen, sondern führt es nach d-moll, um hier auf der Moll-Dominante abzukadenzieren (Halbschluß). Zur Orientierung hier noch der Anfang des 1. Satzes:

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Der 2.Satz (C-Takt, C-Dur) italianisiert weitaus weniger; er hat die Form einer Allemande, die Tonsprache ist ausgeprägt bachisch. Dennoch bleibt ein pastoraler Grundzug erhalten. Er manifestiert sich in vielen lang ausgehaltenen Baßtönen, welche die Harmonik des Satzes musetteartig einfärben. Ein liebenswürdiger, herzlich zutraulicher Tonfall charakterisiert dieses (manualiter gehaltene) Kabinettstück. Die Eingangstakte lauten:

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Von der Dur-Dominante der Haupttonart des Gesamtwerks geht es nun in melancholisierender Eintrübung zur Moll-Dominante, also von C-Dur nach c-moll hinüber; in ihm steht der als “Aria à 2 Clav” bezeichnete 3.Satz (3/8-Takt). Er ist vielleicht der schönste Teil, das Kernstück der ganzen Pastorella. Die weihnachtliche Meditation wendet den Blick vom friedlich-lieblichen Bild des Neugeborenen ab und lenkt ihn auf die dramatische Zukunft, auf Christi Leidensweg und Erlösungstat. Der musikalische Affekt, mit dem barockes Empfinden auf solche Betrachtung reagiert, ist derjenige süß-verklärten Schmerzes, lyrisch-expressiver Gebärde. Das mag in seiner Verbalisierung fast ironisch klingen: die Musik selbst vermittelt sich uns, über die Distanz der Epochen hinweg, als etwas ganz Ernstzunehmendes, als durchaus vertretbare Haltung – trotz der beredten Empfindsamkeit ihrer Linien, ihrer fast kulinarisch-schwelgerischen Harmonik. Eben der empfindsame, dabei überaus stark italianisierende Stil dieses Satzes mögen insbesondere Zweifel an der Authenzität der Pastorella genährt haben. Der 3.Satz klingt in der Tat am wenigsten bachisch im landläufigen Sinne. Hier die ersten Takte:

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Fröhlichen “Kehraus” bietet schließlich der eindeutig bachische 4.Satz nach Art einer Gigue im 6/8-Takt, der nun wieder in F-Dur steht. Die ersten 12 Sechzehntel seines Themas

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kehren das Thema des letzten Satzes des 3.Brandenburgischen Konzertes um. Der zweite, ausführlichere Teil des Satzes behandelt auch hier das Thema in der Umkehrung. Das meisterlich souverän und locker gestaltete Stück schließt damit, daß das Thema im viertletzten Takt (linke Hand) noch einmal in der Originalform auftaucht. Auch dieser Satz ist manualiter gehalten.

by-sa

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